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Josephinum erhält ein erstklassiges Zeugnis

Bestnoten für das Josephinum

VON HAGEN EICHLER

Hildesheim. Wenn irgendwo in Niedersachsen der Schul-TÜV anrückt, macht sich vor allem eine Schulform große Sorgen: das Gymnasium. Niemand sonst ist so sehr auf seinen Ruf erpicht, viele Schulen sind stolz auf eine jahrhundertealte Tradition. Die Prüfer aus Bad Iburg interessiert das nicht. Ihre Methoden sind standardisiert und für alle gleich. Und die Ergebnisse sind für viele Gymnasien unerfreulich: Knapp zwölf Prozent von ihnen sind bis jetzt bei der Überprüfung durchgefallen, so viele wie in keiner anderen Schulform.
























Ausgezeichnetes Josephinum: Der Forscherunterricht ist ein Zusatzangebot der Schule. Mit Dr. Christof Bürger und Dr. Maren Coors betreuen gleich zwei Lehrer die Klasse 5b - hier beim Experiment zur Oberflächenspannung des Wassers.
schulinspektion foto haz

In Hildesheim haben alle Gymnasien den Test bestanden – bis jetzt. Denn von sieben haben erst drei Besuch von den Inspektoren bekommen. Das ist erstaunlich, denn landesweit sind fast alle Gymnasien geprüft. Ein Vergleich der drei Zeugnisbögen zeigt: Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum liegt mit einem hervorragenden Ergebnis deutlich vor den beiden staatlichen Schulen (siehe Grafik). Dabei hat sich die Privatschule dem Test freiwillig gestellt, verpflichtend ist er nur für öffentliche Schulen. Das evangelische schulinspektion grafik hazGymnasium Andreanum etwa nimmt nicht teil, sondern will eine eigene externe Begutachtung organisieren. Die drei anderen Schulen sollen bis zum nächsten Jahr geprüft sein, kündigt Werner Manz von der Schulinspektion an.

In einem Punkt sind sich die Leiter der drei Gymnasien einig: Sie kritisieren, dass ausgerechnet die wichtigsten Leistungen der Schulen keine Rolle spielen. Wie viele Schüler packen das Abitur, wie viele steigen vorher aus? Wie viele Schüler bleiben sitzen? Welchen Notenschnitt erreichen die Abiturienten? „Die Hälfte aller Schüler könnte durchfallen, aber wenn wir schön Gruppenarbeit machen, ist das egal – das kann‘s nicht sein“, ärgert sich etwa Goethe-Schulleiter Reinhard Weddig. Solange nur das bewertet werde, was die Inspektoren bei ihrem einwöchigen Besuch sehen, seien die Ergebnisse „zu mager“, bemängelt auch Dr. Rudolf Schäffer von der Michelsenschule.

Eigentlich sollten die harten Fakten über Versetzung und Abinoten auch ausgewertet werden – so war der Plan beim Start im Jahr 2005. Bis jetzt bleibt jedoch das erste Feld im Zeugnis leer. Grund ist, dass die Behörde noch keinen Weg gefunden hat, diese Daten zu gewichten. Denn natürlich hat es die eine Schule schwerer mit ihren Schülern als eine andere. „Es ist ein Unterschied, ob man in einem bildungsbürgerlichen Umfeld oder einem sogenannten sozialen Brennpunkt arbeitet“, sagt Weddig, das dürfe man nicht über einen Kamm scheren. Wie man diese Unterschiede berücksichtigen könne, wisse man bis jetzt noch nicht, räumt Werner Manz ein – unter anderem fehlten soziostrukturelle Daten vom Statistischen Landesamt. Manz hofft, bis zur zweiten Runde der Inspektion besser vorbereitet zu sein.

Die soll nach dem Ausscheiden des doppelten Abitur-Jahrganges 2011 starten

Platz 1:

Josephinum

Katholische Traditionsschule erhält siebenmal Bestnote

Gleich reihenweise Bestnoten hat das Bischöfliche Gymnasium Josephinum eingefahren. Im Januar 2008 kamen die Inspektoren – für Schulleiter Benno Haunhorst war das der ideale Zeitpunkt. Denn das Gymnasium hatte sich gerade in zweijähriger Arbeit selbst analysiert und ein Schulprogramm aufgestellt. Offensichtlich waren die Prüfer mit dieser Arbeit zufrieden. Die Bestnote gab es etwa in den Kriterien 3 und 5. „Die haben gemerkt, dass unsere Lehrer sehr motiviert und vorbereitet sind – und sie treffen auf interessierte und offene Schüler“, beschreibt Haunhorst das Miteinander. Weniger wichtig nimmt er die Kriterien 3 und 4 – die seien ehe auf Gesamtschulen zugeschnitten, glaubt er. Gymnasiallehrer fühlten sich in einer anderen Rolle, nämlich als Fachwissenschaftler: „Der Lehrer ist der Experte, kein Moderator.“ Gleichwohl solle er auch den Schülern Raum geben für den eigenen Lernprozess.

Geärgert hat sich die Schule darüber, dass es für die Beratung und Betreuung der Schüler kein „sehr gut“ gab. Denn die Schule leiste sehr viel, sagt der Schulleiter – die Schüler absolvieren ein Vorstellungstraining, besuchen das rBerufsinformationszentrum, fahren zur Universität Göttingen. Allerdings: Für all das existierte kein von der Gesamtkonferenz beschlossenes Konzept, und so gab es Punktabzug. Ein großer Schatz der Schule ist ihr außerschulisches Angebot. Der Unterricht sei das „Kerngeschäft“, sagt Haunhorst – „aber damit hört es nicht auf“. Für die Inspektion habe man sämtliche Veranstaltungen zusammengezählt, die Aktivitäten von Theater-, Musical- und Orchester-AG.

Jährlich 250 Veranstaltungen kamen zusammen, das sind zwei pro Schultag – „wir waren richtig platt“. Im negativen Bereich landet die Schule nur bei einem Punkt, den schuleigenen Lehrzielen. In dicken Leitzordnern hätten die Inspektoren nachlesen können, wer wann was unterrichte – die wollten jedoch Konzepte sehen, wie die Schüler Kernkompetenzen erlernen. Für Haunhorst ist diese Note unwichtig. „Da pfeife ich drauf, wir haben einfach anders investiert.“

Platz 2:

Goethegymnasium

Städtische Schule erhält zweimal „sehr gut“

Überwiegend gute Noten haben die Inspektoren nach ihrem Besuch im Goethegymnasium notiert. Damit zähle die Schule in ganz Niedersachsen zum besten Drittel, sagt Schulleiter Reinhard Weddig. Zweimal gab es die Bestnote: für das Schulklima und die Zusammenarbeit mit anderen Schulen und Partnern. „Hier spiegeln sich etwa unsere Kooperationen mit dem Stadttheater und der Musikschule wider“, sagt Weddig. Auch die Aktivitäten des Fördervereins seien wichtig und die Eltern, die in den beiden großen Pausen in der Elternküche arbeiten. Gut schnitt die Unterstützung der Schüler im Lernprozess (Kriterium 8) ab. Da ist Weddig vor allem stolz auf das Projekt „Schüler helfen Schülern“. Oberstufenschüler unterrichten dabei jüngere Schüler in Kleingruppen und werden sogar bezahlt. Dieses Konzept sei viel erfolgreicher als herkömmlicher Förderunterricht für eine ganze Klasse.

Mit den Unterrichtsmethoden der Lehrer waren die Inspektoren weniger zufrieden – in den Kriterien 4 und 5 gab es jeweils die Note „schlecht“. Bemängelt wurden der geringe Einsatz von Computern und ein fehlendes Medienkonzept – das sei mittlerweile behoben. Doch auch der Zeitpunkt des Besuchs spiele eine Rolle, erklärt Weddig: Im November und Dezember 2006 steckte die Schule in der Klausurenvorbereitung, da sei wenig Zeit gewesen, um die Schüler aktiv in den Unterricht einzubeziehen. Grundsätzlich funktioniere der Wechsel zwischen Frontalunterricht und Gruppenarbeit, versichert er. Und verweist auf erschwerende Bedingungen: Eine siebte Klasse habe 33 Schüler, und es gebe keinen freien Raum, um die Klasse gelegentlich zu teilen und differenziert zu unterrichten. Ungerecht behandelt fühlt sich die Schule durch die schlechte Note für die Steuerung der Qualitätsentwicklung. In den vergangenen Jahren habe jeder Lehrer mindestens dreimal an Fortbildungen teilgenommen. „Darauf bin ich auch stolz, aber das alles zählte nicht, weil wir dafür kein Konzept hatten, das auf unser Leitbild orientiert war“, bedauert Weddig.

Platz 3:

Michelsenschule

Kreisgymnasium erhält überwiegend gute Noten

Die Michelsenschule ist eigentlich nicht eine Schule, sondern mehrere. Es gibt auch einen berufsbildenden Zweig, doch die meisten Schüler sind Gymnasiasten oder Fachgymnasiasten. Bei der Schulinspektion hat die Schule überwiegend gute Noten bekommen. Ein „sehr gut“ notierten die Prüfer für die anregende Arbeitsatmosphäre im Unterricht und das Klima an der Schule. Dafür leiste die Schule auch einiges, sagt Schulleiter Dr. Rudolf Schäffer: „Wir wollen aus dem reinen Fächerunterricht heraus und Bildung an außerschulische Lernorte bringen.“ Die Schüler lernen auch Praktisches: Sie pflegen Gehölze und eine Streuwiese, fahren hinaus, um etwa ein Klärwerk zu besichtigen oder Umweltschäden im Harz zu untersuchen.

In acht Kriterien haben die Inspektoren gute Leistungen bescheinigt, fünfmal reichte die Leistung der Schule lediglich für ein „schlecht“. Bei den schuleigenen Lehrzielen etwa: „Damals waren die Arbeitspläne nicht auf dem neuesten Stand“, räumt Schäffer ein. Schon ein halbes Jahr nach dem Besuch der Prüfer im Mai 2007 hätten die Fachkonferenzen diese Arbeit jedoch erledigt. Schlecht schneiden die Lehrer bei den Kriterien 4 und 5 ab. Ein gewisser Teil der Kollegen habe zu stark im Klassenverband unterrichtet, zu wenig Gruppen- und Partnerarbeit gezeigt, sagt Schäffer. „Wir sollen heute die Schüler stärker methodisch schulen, und diese Kurve hat noch nicht jeder gekriegt.“

Behoben ist mittlerweile die als schwach gerügte Kooperation mit Grundschulen. „Das hat mich gewurmt“, gibt Schäffer zu. Der Austausch darüber, was die Michelsenschule von Grundschulen erwartet, sei damals in den Kinderschuhen gewesen, „aber das ist jetzt erledigt“. In einem Punkt weist der Schulleiter die Kritik zurück. Zur Förderung der Lehrerprofessionalität (Kriterium 15) verlangen die Inspektoren vom Schulleiter regelmäßige Mitarbeitergespräche. Bei 75 Lehrern sei das aber ein Problem: „Ich kann mich nicht zerreißen.“