Der Bildungsauftrag des Gymnasiums PDF Drucken
Das Niedersächsische Schulgesetz:

„Das Gymnasium vermittelt seinen Schülerinnen und Schülern eine breite und vertiefte Allgemeinbildung und ermöglicht den Erwerb der allgemeinen Studierfähigkeit. Es stärkt selbstständiges Lernen und wissenschaftspropädeutisches Arbeiten.“(NSchG § 11 (1))

Mit dieser kurzen und eindeutigen Zuschreibung hebt sich der Bildungsauftrag des Gymnasiums von den Aufgaben aller anderen Schulformen deutlich ab.

Das Niedersächsische Schulgesetz formuliert zwei Zielvorgaben für das Gymnasium:

  • eine breite und vertiefte Allgemeinbildung,
  • den Erwerb der allgemeinen Studierfähigkeit

und zwei Aufgaben für den Lernprozess:

  • selbstständiges Lernen,
  • wissenschaftspropädeutisches Arbeiten.

Damit ist der besondere Bildungsauftrag für das Gymnasium beschrieben als die Schulform, die vor allem auf ein Studium vorbereiten soll.

Breite und vertiefte Allgemeinbildung

Das Ziel des Gymnasiums ist nicht das spezielle anwendungsorientierte Lernen wie man es z. B. aus der beruflichen Bildung kennt. Ermöglicht werden soll der Erwerb einer Allgemeinbildung. Diese ist breit angelegt, weil die Schülerinnen und Schüler Grundlagen in den Sprachen – die Gymnasiasten müssen z. B. mindestens zwei Fremdsprachen erlernen - , in Mathematik und den Naturwissenschaften, in den gesellschaftswissenschaftlichen und den musisch-künstlerischen Bereichen erwerben sollen. Das Lernen am Gymnasium bietet zudem die Möglichkeit und verfolgt die Notwendigkeit, sich in fachliche Themen besonders zu vertiefen. Um diese breite und vertiefte Allgemeinbildung sicher zu stellen, wird an Gymnasien fächerorientiert und in den einzelnen Fächern wiederum thematisch und über mehrere Jahre hinweg aufbauend unterrichtet und gelernt.

Allgemeine Studierfähigkeit

Gymnasiasten werden vornehmlich auf ein Studium vorbereitet. Das Gymnasium ist die Vorschule zur Universität. Wer das Abitur an einem Gymnasium erworben hat, besitzt die allgemeine Hochschulreife, die dazu berechtigt, ein Studium aufzunehmen. Einem Abiturienten wird bescheinigt, dass er in der Lage ist, sich in verschiedene thematische Inhalte zu vertiefen und sich um deren Verständnis zu bemühen. Mit diesen Fähigkeiten ist es ihm prinzipiell möglich jedes Studium aufzunehmen. Ein Gymnasiast erwirbt in seiner Schulzeit Fertigkeiten und Einstellungen, die er seinen Neigungen entsprechend für seinen individuellen Studiengang nutzen und dort erweitern kann.

Selbstständiges Lernen

Weil das Gymnasium sich in seinen Zielen von anderen Schulformen unterscheidet, gestaltet sich auch der Lernprozess auf eine ganz besondere Weise. Das erste spezifische Merkmal gymnasialen Lernens ist die Selbstständigkeit. Die Schülerinnen und Schüler erfahren einen Unterricht, der sie zu einem planvollen und zielstrebigen Arbeiten befähigt, auch über längere Zeit hinweg. Dazu benötigen sie geistige Beweglichkeit und Phantasie sowie Problemoffenheit und Anstrengungsbereitschaft. Selbstständiges Lernen gründet in einem soliden Wissen. In allen Schulformen fördert der Unterricht über Einsicht und Übung. Am Gymnasium wird darüber hinaus die Reflexions- und Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler angestrebt.

Wissenschaftspropädeutisches Arbeiten

Auf der Grundlage des selbstständigen Lernens führt der gymnasiale Unterricht hin zum wissenschaftspropädeutischen Arbeiten. Rein äußerlich kann man das bereits daran erkennen, dass die Themen, Aufgaben und Leistungsüberprüfungen am Gymnasium länger, komplexer und schwieriger sind als an den anderen Schulformen. Der Schwierigkeitsgrad der Lerngegenstände gestaltet sich vielschichtig und mehrperspektivisch, so dass er zu einer geistigen Anstrengung herausfordert. Dazu bedarf es der Konzentration auf die Durchdringung eines Sachverhalts. Gymnasiasten sollen die Fähigkeit entwickeln, theoretische Erkenntnisse sprachlich zu verdeutlichen und anzuwenden. Sie müssen eine Einsicht in die Zusammenhänge und das Zusammenwirken einzelner Wissenschaften erwerben sowie an ein Verständnis für komplexere Denkformen, für Strukturen und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens herangeführt werden.

Diese spezifische Ausrichtung des gymnasialen Unterrichts findet man jedoch nicht erst auf der Oberstufe. Interesse, Konzentration und Anstrengung als die grundlegenden Einstellungen zum selbstständigen Lernen werden über acht Jahre hinweg in stetig komplexer und schwieriger werdenden Sachzusammenhängen immer neu eingeübt und reflektiert.