| HAZ vom 16.12.2009: Zeitreise zur verbotenen Musik |
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Schüler des Gymnasiums Josephinum erarbeiten selbständig Musical „Swinging St. Pauli“ / Premiere am Sonnabend
VON ANDREAS BODE Das soll ihnen erst mal einer nachmachen:35 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Gymnasiums Josephinum treffen sich seit den Sommerferien regelmäßig in ihrer Freizeit – auch an Wochenenden –, um zu üben. Nicht etwa Latein oder Mathematik. Sie üben an einem Musical. Und das mit – wie zu hören ist – beachtlichem Erfolg. Anders wär’s allerdings auch schlimm: Am kommenden Sonntag, 19. Dezember, ist um 19.30 Uhr Premiere im Audimax der Universität.
Probe im Gymnasium Josephinum. Lukas Speer gibt den Einsatz. Die Schüler lassen sich durch die mathematischen Formeln im Hintergrund überhaupt nicht irritieren. Fotos: Hartmann „Wir wollten gern ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine stellen“, erzählt die 19-jährige Hannah Vollmer, die die Gesamtleitung übernommen hat. „Nur: Mit der sonstigen Musical-AG war das aus Zeitgründen nicht möglich.“ Da Hannah Vollmer und viele andere, die dabei sind, im kommenden Jahr das Abitur ablegen, die Sache also nicht verschoben werden konnte, nahm die 19-Jährige das Projekt selber in die Hand. Überlegte mit Jana Bruns zunächst, welches Musical – denn ein Musical sollte es schon sein, durch die AG hatten sie und viele andere mit dem Genre bereits Erfahrung – denn zu bewältigen sei. Ihre Wahl fiel auf „Swinging St. Pauli“ von Martin Lingnau, Thomas Matschoß, Heiko Wohlgemuth und Edith Jeske. Hannah Vollmer sprach Mitschüler an, ob sie dabei sein wollen – und los ging’s mit den Proben. „Das erste Mal ohne Lehrer“, sagt die 19-Jährige – und wer mag, kann ein kleines bisschen Stolz heraushören. „Swinging St. Pauli“, der Titel klingt harmloser, als das Ganze ist. Denn das Musical spielt zu einer Zeit, da Swing in Deutschland verboten war: 1941. Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich dennoch regelmäßig in einer Bar auf dem Kiez, um Swing zu singen und zu tanzen. Eines Tages betritt Emma, eine Jüdin, die Bar. Der Barbesitzer Oscar Leonhardt erkennt in Emma die Schwester seines toten Freundes. Seine anfangs gemischten Gefühle gegenüber der Frau ändern sich. Doch der Obersturmbannführer Hundt und dessen Kollege Arnold Stenzel nutzen jede Gelegenheit, um einen Fleck auf Oscars Weste zu finden. Und auch die Jugendlichen geraten mehr und mehr ins Visier der Nationalsozialisten. Das Musical habe „ein spannendes Thema“, so sieht es Jannis Hagenah, der in der 16-köpfigen Band – selbstverständlich sind die Schüler auch für die Musik zuständig – Trompete spielt. Um das Flair der Zeit vor fast 70 Jahren aufkommen zu lassen, haben die Josephiner nicht nur eine Big Band zusammengestellt, sondern sich auch bei den Requisiten am Geschmack der Großeltern orientiert. So stünden, berichtet Hannah Vollmer, nicht nur ein Ohrensessel und eine alte Lampe auf der Bühne, eine Schreinerei habe zwei stilechte Regale, der Großvater einer Mitschülerin gar einen Bartisch gebaut, ein Antiquitätengeschäft ein Telefon und ein Radio – beides dürfte den Jugendlichen quasi antik erscheinen – zur Verfügung gestellt.
Premiere des Musicals „Swinging St. Pauli“ ist am Sonnabend, 19. Dezember, um 19.30 Uhr im Audimax der Universität. Eine weitere Vorstellung folgt am Sonntag, 20. Dezember, um 19.30 Uhr. Karten gibt es – außer an der Abendkasse – während der beiden großen Pausen im Foyer des Hauptgebäudes des Gymnasiums Josephinum und im Forum des Kolleggebäudes. Ferner können im Schulsekretariat Karten erworben werden. |

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„Es wird“, beschreibt Lukas Speer, der die Band leitet, das bisherige musikalische Ergebnis. Er hat bereits Erfahrung als Chorleiter. Mit dem Dirigieren allein war’s allerdings nicht getan. Denn er entdeckte, dass die Noten der Sänger und Instrumentalisten sowie der Instrumentalisten untereinander nicht unbedingt immer zueinander passten. Also musste Lukas Speer erst einmal einiges einrichten. Im Verlauf der Proben haben die Jugendlichen die Scheu abgelegt, die sich fast zwangsläufig einstellt, bevor man sich vor Publikum präsentiert. Anselm Derda etwa hat noch nie öffentlich gesungen. Überwindung habe er am Anfang benötigt, gibt er zu. Doch jetzt: „Macht Spaß“, lautet sein Fazit.Dass es in der Tat Spaß macht, dass er und die anderen von dem Musical begeistert sind, ist ihm und seinen Mitschülern anzumerken und anzuhören. Und Begeisterung ist schließlich die beste Voraussetzung fürs Gelingen.