| HAZ vom 7.1..2009: Eine Riesen-Stoffbahn erzählt Geschichte |
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1000 Schüler malen zu 1000 Jahren St. Michael / Die ersten Klassen sind fertig / Menschenkette zur Jubiläumsfeier Hildesheim (hei). Frühmorgens, im Werkraum am Hückedahl: An langen Werkbänken sitzen Sechsklässler, vor sich eine lange weiße Stoffbahn. Jeder hat einen dicken schwarzen Stift in der Hand und bemalt einen 30 Zentimeter breiten Abschnitt. Die Grundidee der Bilder ist gleich: Oben, auf dem Hügel, die Steffen Ryll hat gar ein ganzes Saurierskelett untergebracht. Umgeben von Farben und Pinseln arbeitet die Klasse 6d auf ein großes Ziel hin: Am 15. Januar, wenn der Bundespräsident St. Michael besucht, wollen die Josephiner eine 600 Meter lange Menschenkette bilden, von ihrer katholischen Schule hinauf bis zur Pforte des evangelischen Gotteshauses. Über die gesamte Strecke wollen sie eine Stoffbahn entrollen, auf der sich dicht an dicht Bilder reihen. Jeder der 1000 Schüler malt mit, jeder setzt sich mit den 1000 Jahren auseinander, die die Kirche bereits besteht. „1000 Jahre aufgerollt. Josephiner auf Bernwards Spuren“ heißt das Projekt, das die Hildesheimer Allgemeine als Medienpartner begleitet. Der mittelalterliche Bischof Bernward ist bei dem ganzen Projekt das Bindeglied. Der Gründer der Michaeliskirche hatte die Domschule besucht, deren Nachfolger das Josephinum ist. Die überlange Stoffbahn soll Geschichten erzählen – und allein die Figur Bernwards liefert davon reichlich. Einer davon ist Klasse 5b auf der Spur. Die Jüngsten des Gymnasiums sitzen im Kunstraum, direkt am Domhof. Sie haben sich alte Herrenoberhemden gegen Klecksereien übergestreift und malen mit bunten Acrylfarben. Kunstlehrerin Dr. Sabine Schreiner regt derweil die Phantasie an: Aus einem Historienschmöker liest sie über das Leben der byzantinischen Fürstentochter Theophanu vor. Die ist dem abendländischen Kaiser Otto II. als Frau versprochen und zieht über Rom in die nebligen Wälder Norddeutschlands. Aus der abenteuerlichen Reise greift sichjeder Schüler heraus, was ihm am besten gefällt. Felix Raupach hat es das antike Rom angetan. Dessen wichtigste Gebäude hat er bereits auf den Stoff gebannt, das Colosseum, den Circus Maximus, den Aquädukt. Franziska Aselmeyer malt die Kutsche, die die Braut Richtung Rom bringt. Was das alles mit Hildesheim zu tun hat? Nach der Hochzeit der byzantinischen Prinzessin wird Bernward der Erzieher ihres Sohnes. „Die beiden sollen auch eine Liebesbeziehung gehabt haben“, weiß Schreiner, „und ganz bestimmt war Theophanu auch mal in Hildesheim.“
Dafür, dass alles rechtzeitig fertig ist, sorgt Sabine Schreiner. Sie ist der Kopf hinter der enorm aufwendigen Kunstaktion. Zusammen mit ihrer Seminargruppe aus dem 13. Jahrgang plant sie das Ereignis seit Wochen. Regelmäßig sitzt die Runde zusammen, um Anregungen für Bildmotive zu finden. Wo sind spannende Stoffe? Welche Idee hat das Dommuseum, was fällt dem Stadtarchiv ein? „Bis Weihnachten muss im Grunde alles fertig sein“, drängt Schreiner. Und auch der Tag der Präsentation muss geplant werden. Die Seminargruppe überlegt, ob ein Spielmannszug die Kette der 1000 Schüler anführen soll. Kann die Stoffbahn anschließend in der Michaeliskirche gezeigt werden? Was sagen die Sicherheitsleute des Bundespräsidenten? Für die Oberstufenschüler ist es weit mehr als ein künstlerisches Projekt: Sie lernen organisieren, verhandeln, präsentieren. Und auch auf das Geld müssen sie achten. Sabine Schreiner hat mit ihrem Konzept bei einer Stiftung 5000 Euro eingeworben. „Man glaubt gar nicht, wie schnell das weg ist“, klagt der Schüler Lukas Vollmer, der für das Geld zuständig ist. Farbe, Stifte, Pinsel wurden gekauft, die 60 Zentimeter breite Stoffbahn ist eine Sonderanfertigung, auch zu Sonderkonditionen. „Wir haben jetzt weniger als 2100 Euro, wir müssen sehen, wie wir weitermachen“, stellt Schreiner fest. Schaffen es die Josephiner, rechtzeitig 600 Meter Stoff zu bemalen? In loser Folge werden Schüler in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom Fortschritt des Projekts berichten. |

Schule 

Michaeliskirche. Darunter viele, viele Erdschichten, in denen die Vergangenheit ruht. Knochen, Scherben, Pfeil und Bogen. Oder liegt dort tief unter der Kirche eine Tropfsteinhöhle? So malt es Andreas Metternich.
Um den Glanz der vornehmen Frau aus dem Osten vor Augen zu führen, darf sich eine Schülerin in einen prächtigen bestickten Stoff hüllen. „Ganz schön schwer“, staunt Viktoria Schiedeck (Bild links), als das glitzernde Tuch um ihre Schultern liegt. Langsam, Unterrichtsstunde für Unterrichtsstunde, füllen sich weitere Abschnitte der langen Stoffbahn.