| Kirchenzeitung vom 29.11.2009: Reise in eine andere Welt |
|
|
|
Hildesheimer Schüler sind zu Gast bei ihren Partnerschülern am Josephinum in Indien von Thomas Pohlmann
„Es ist eine andere Welt": Mit dieser Erkenntnis sind Schüler des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum von einer Reise nach Indien zurückgekehrt. Die 9.-Klässler haben dabei im Süden des Landes unter anderem ihre Partnerschüler am Josephinum in Kilachery besucht. Jetzt wollen sie die Kontakte intensivieren - und spätestens vor dem Abitur ihren Besuch wiederholen. Den Duft der Blütenkränze wird Niklas Roller so schnell nicht vergessen. Wo immer der Josephiner mit seinen Mitschülern und Lehrern zu Gast war, wurden ihnen solche Kränze überreicht - ein Begrüßungsritual, an das die Schüler sich ebenso gewöhnen mussten wie an die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wurde. Bei ihrer Ankunft in den Schulen in Neerpair und Kilachery waren beispielsweise alle Schüler, jeweils über 1000 Kinder, versammelt. Im Dorf Purur standen die Menschen Spalier, um die jungen Deutschen willkommen zu heißen. „In Neerpair wurde ein dreistündiges Programm aufgeführt“, erinnert sich Katja Döring an die erste Begrüßungsfeier, zu der alle etwas beitragen wollten. Die Deutschen waren auch beim „Science-Day“ gefragt, als die indischen Schüler bei einem Projekttag ihre Arbeiten präsentiert haben. „Die wollten sich gar nicht von uns trennen“, ist Niklas immer noch sichtlich überrascht von den intensiven Kontakten und dem persönlichen Interesse. Lebhafter Eindruck vom Land Ganz unterschiedliche Bereiche haben die fünf Schülerinnen und drei Schüler aus Hildesheim in Indien kennengelernt. Neben den Schulen und dem Wohnheim „Josephinum“ in Kilachery, das von ihrer Heimatschule finanziert wird, waren sie in einem Krankenhaus, einem Altenheim und einer Stickerei, haben die zum Weltkulturerbe zählende Tempelanlage Mamalipuram besucht und eine Teefabrik besichtigt. Dabei wurden sie mit neuen Sichtweisen konfrontiert, beispielsweise dass die Mädchen in der Stickerei einen Euro pro Tag verdienen: „Sie können im Gegensatz zur Arbeit auf den Feldern jeden Tag arbeiten und haben daher ein festes, regelmäßiges Einkommen“, weiß Niklas von der Bedeutung dieser Arbeit für die Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren. Im Süden Indiens gibt es zwar kein großes Problem mit Hunger, dennoch sei es eine andere Welt: „Die Menschen sind rund um die Uhr beschäftigt, um ihr Auskommen zu haben", sagt Petra Schroll. Ungewohnte Realität Die besuchten Dörfer sind sauber, haben Wasser und Strom, teilweise sogar Satellitenschüsseln, dennoch fühlten sich die Josephiner teilweise „wie im Mittelalter“: „Man kann sich nicht vorstellen, jeden Tag so zu leben“, betont Petra Schroll. Ungewohnt, fast beängstigend ist für die Schüler der Besuch in einem Altenheim, einem Raum, in dem 20 Betten mit alten Menschen eng aneinandergereiht sind. „Wir wussten nicht, wie man helfen kann“, beschreibt Katja ihre beklemmenden Gefühle. Für indische Verhältnisse jedoch ist das Heim für die Alten eine deutliche Verbesserung, da sich ansonsten keiner um sie kümmert. All diese Eindrücke werden sie in den kommenden Wochen und Monaten an ihre Mitschüler in Hildesheim weitergeben. Denn das war der Grund für die Reise der Indien-AG: „Ich kann besser über etwas sprechen, wenn ich es kenne“, sagt Petra Schroll. Die seit gut zwei Jahren existierende Arbeitsgemeinschaft soll die Partnerschaft begleiten und beispielsweise zu Schuljahresbeginn jeweils die neuen 5. Klassen über die Projekte informieren. Dazu wollen sie die Kontakte zu den Schülern in Indien jetzt weiter ausbauen - und das nicht nur per E-Mail. Katja Döring bringt für ihre Mitschüler den Wunsch nach der Reise auf den Punkt: „Noch mal!" Josephiner unterstützen Josephiner Seit 1995 unterstützt das Gymnasium Josephinum in Hildesheim ein Schülerwohnheim gleichen Namens im indischen Kilachery. Dort leben rund 100 Schüler, die aus ärmlichsten Verhältnisse stammen oder Waisen sind. Finanziert werden von den Hildesheimern dabei sämtliche Kosten wie Unterkunft, Verpflegung, Kleidung und Schulbücher. Das Geld dafür stammt größtenteils aus einem jährlichen Aktionstag, der von den Schülern in Eigenregie organisiert wird. Alle Josephiner arbeiten dabei einen Tag lang in Betrieben und Einrichtungen wie Bäckereien, Arztpraxen oder Altenheimen und spenden den Lohn dieses Tages. Mittlerweile kann aufgrund der vielen Spenden auch zusätzlich ein Waisenhausprojekt in der Nähe unterstützt werden. Hier haben Kinder eine Bleibe gefunden, deren Eltern Opfer der Tsunami- Katastrophe geworden sind. Die Partnerschaft mit Indien ist durch Kontakte mit dem Verein „Aktion Indien“ entstanden, der von dem ehemaligen Josephiner Dr. Johannes Mispagel gegründet worden ist. |

Schule 

