HAZ vom 28.09.2010: Einstiger Josephiner als Missionar in Japan PDF Drucken
Hans Wehmeyer zu Besuch in Hildesheim / Jesuitenpater will seinen Glauben durch gutes Beispiel verbreiten
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Pater Hans Wehmeyer ist aus Anlass seines goldenen Abiturjubiläums in Hildesheim. Foto: Barth

Hildesheim (bar). Er ist von seinem Auftrag überzeugt und sieht sich dennoch als Auslaufmodell: Jesuitenpater Hans Wehmeyer hat Hildesheim zur Feier seines goldenen Abiturjubiläums am Josephinum einen Besuch abgestattet und berichtete vor ehemaligen Mitschülern und anderen Interessierten von seiner Arbeit als Missionar in Japan. „Sie müssen gut hingucken“, sagte er, „Sie werden nicht mehr viele wie mich zu sehen kriegen.“

1965 kam der Pater auf eigenen Wunsch nach Japan, blieb dort 45 Jahre und will in seiner neuen Heimat auch alt werden. Inzwischen bewege er sich wie ein Einheimischer durch die Stadt Kamakura, südwestlich von Tokio, erzählte Wehmeyer. Zumal er normale Zivilkleidung trägt und äußerlich als Jesuitenpater nicht zu erkennen ist. Doch in mancher Hinsicht bleibe er wohl immer Deutscher – die Art der Japaner, sich in höflichen Andeutungen auszudrücken, anstatt Wünsche direkt auszusprechen, sei ihm fremd geblieben.

Als er in den 60er Jahren in Japan eintraf, wurde er noch überall angestarrt. Er erlernte die Sprache über das Englische und wurde Englischlehrer für japanische Schüler. Seitdem sich das Land im 20. Jahrhundert für Ausländer wieder geöffnet habe, seien Christen vor allem als Gründer von Schulen und Universitäten in Japan willkommen gewesen. Für ihn, so erläuterte Wehmeyer, verbinde sich seine Aufgabe als Lehrer mit der Aufgabe der Mission ohne Widerspruch.

Zwar gebe es an seiner Schule keinen Religions-, wohl aber Ethikunterricht. Hier sei Raum, christliche Wertvorstellungen zu vermitteln. Bibelkunde wird als freiwillige Arbeitsgruppe angeboten. Auf die Schüler soll kein Druck ausgeübt werden, die fremde Religion anzunehmen.

Das wäre auch kaum möglich, vermutet Wehmeyer. Für den Katholizismus und überhaupt das Christentum sei der Zugang zu Japan schwierig. Etwa eine halbe Million Menschen, weniger als ein Prozent der Bevölkerung, sind katholisch. Die Kirche werde im Alltag kaum wahrgenommen. „In der Stadt ist der Schulleiter bekannter als der Bischof.“

Zum Teil rühre das daher, dass viele Symbole, Rituale oder Geschichten aus der Welt der Katholiken der japanischen Kultur fremd seien – Brot und Wein, Hirten und Schafe, damit verbinde sich für die Japaner nichts. Wer christliche Weltanschauung dort verbreiten wolle, müsse einen anderen Blickwinkel einnehmen, zu Anpassungen bereit sein und Respekt auch vor dem vorhandenen Glauben im Land haben, meint der Pater. „Es gibt sehr gute Heiden. Man hat oft Schwierigkeiten mit den Katholiken, nicht mit den Heiden.“

Dennoch sieht es Pater Wehmeyer durchaus als seine Aufgabe an, seinen Glauben zu verbreiten: Was für ihn richtig sei, das wolle er auch weitergeben. Doch ohne Druck – in den 45 Jahren habe er keinen einzigen Menschen in Japan getauft. Aber habe er mit vielen Menschen über Religion gesprochen, habe durch sein Vorbild seinen Glauben vorgelebt. Darin sieht er die Zukunft der Mission: Im guten Beispiel christlicher Familien. „Anders läuft’s nicht.“