| HAZ vom 10.05.2011: Josephiner malochen für indische Schulfreunde |
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Fast alle Schüler des Hildesheimer Gymnasiums haben sich für einen Tag Arbeit gesucht / Der Lohn wird gespendet Von HENDRIK HEILMANN
Hildesheim. Teller klappern, Kinder lachen und reden durcheinander. Es wird gerade gefrühstückt in der Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Lechstedt. Alles ganz normal, und trotzdem gibt es an diesem Tag etwas Besonderes: Die zwölfjährige Sophie Niehsen sitzt mitten in der Kinderschar. Sie ist für einen Tag „Aushilfserzieherin“. Eigentlich geht sie noch zur Schule. Und zwar in die 6. Klasse des Josephinums. Aber für einen Tag haben sich alle Schüler des Hildesheimer Gymnasiums eine Arbeit gesucht und verdienen Geld. Der Erlös wird ohne Abzüge für die gleichnamige Partnerschule (heißt auch Josephinum) in Indien gespendet. In den vergangenen Jahren sind dabei immer rund 12 000 Euro zusammen gekommen. Sophie Niehsen hat sich die Kindertagesstätte zum „Arbeiten“ ausgesucht. „Kommst du mit spielen?“, wird sie von Paul (5), Jule (5) und Lilly (6) gefragt. Sophie lässt sich nicht lange bitten, setzt sich mit den Dreien an einen Tisch, und sie spielen das Lernspiel „Eins, vier, viele“. Die erste Runde gewinnt Paul. Sofort beginnen die Vier eine Zweite. Das kommt gut an bei den Kindern: Sie finden es „schön“, dass Sophie da ist und sich mit ihnen beschäftigt. „Mir macht es Spaß, mit Kindern zu spielen“, erklärt die Lechstedterin. Sie war früher auch in dieser Tagesstätte und kennt noch die Erzieherinnen und Leiterin Birgit Brosenius. Auch viele der Kinder sind ihr bekannt. Schon beim Aktionstag für Indien im vergangenen Jahr hat Sophie im „Regenbogen“ gearbeitet. Auch bei „Räder-Emmel“ arbeitet ein Josephiner. Wegen des schönen Wetters herrschte am Wochenende großer Andrang in dem Hildesheimer Fahrradgeschäft. Deshalb ist es gut für Chef Christian Emmel, dass ihm der 16-jährige Marcel Greve hilft, das Lager aufzufüllen. Das ist im Keller. Dort bietet sich einem ein ungewöhnlicher Anblick: An den Wänden hängen überall nebeneinander neue Fahrräder. Mittendrin steht Marcel. Nachdem er das Lager aufgefüllt hat, soll der Josephiner mithelfen, ein neues Fahrrad zu montieren. „Ich fahre selbst relativ viel Rennrad und bin am Radsport interessiert“, sagt er. Da der Jugendliche häufig etwas bei „Räder Emmel“ kauft, sind ihm die Mitarbeiter nicht ganz unbekannt. Die Arbeit im Fahrradladen ist sein Ding, denn Marcel überlegt, dort ein Praktikum zu machen oder nächstes Jahr wegen des Projekttages wieder zu kommen. Chef Christian Emmel findet das Engagement der Schüler richtig klasse. „Es ist gut, dass sie sich Gedanken machen über Menschen, denen es lange nicht so gut geht wie uns“, sagt Emmel. „Wenn wir hier mal ein kleines Problem haben, meinen wir gleich, die Welt geht unter. Dabei sind das oft gar keine wirklichen Probleme. Man muss doch nur mal nach Indien schauen – da ist teils echte Not.“ Bei Edeka Neukauf in der Geschwister-Scholl-Straße arbeitet Julian Senf (13). Außer ihm sind noch zwei weitere Josephiner in dieser Filiale tätig. In den Jahren zuvor war der 13-Jährige während des Projekttages einmal beim Elektriker und ein anderes Mal im Zoo Hannover. Diesmal rieten ihm seine Eltern, zu Edeka zu gehen. Julian räumt Getränke in Regale ein, vorher musste er fegen und Brötchen verpacken. „Die Mitarbeiter sind freundlich, wenn sie mich einweisen“, erzählt er. „Hände aus den Taschen!“, ermahnt ihn eine Edeka-Kollegin, als er gerade von der HAZ interviewt wird. Julian Senf spurt. Er ist engagiert bei der Sache und will sogar eine halbe Stunde länger machen. „Es ist ja für eine gute Sache.“ „Ich liebe Blumen“, sagt die elfjährige Assey Araia lächelnd. Deshalb arbeitet sie in der Gärtnerei Brandenburg. Ihr macht es Spaß, doch eigentlich will das Mädchen gar nicht Gärtnerin werden. „Letztes Jahr war ich auch hier“, erzählt Assey. Gerade wäscht sie Tische und Töpfe ab, und gleich wird sie die Dekoration an Ort und Stelle bringen. Asseys Familie kauft immer die Blumen bei Brandenburg. Daher kennt das Mädchen auch die Mitarbeiter. Sie selbst hat ebenfalls Blumen bei sich zu Hause. „Ich mag die Farben der Blüten“, sagt sie. Deshalb hat sich Assey sehr gefreut, als sie bei einem Besuch in der Gärtnerei einmal 20 Tulpen geschenkt bekommen hat. Die meisten Schüler arbeiten an diesem Tag so bis zur Mittagszeit. Doch manche – wie Assey – müssen länger ran. Sie ist vor 15.30 Uhr nicht zu Hause. Doch den Job macht sie gern.
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