| HAZ vom 14.08.2009: „So wird Politik greifbar" |
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Josephiner diskutieren mit fünf Bundestags-Kandidaten aus dem Wahlkreis Hildesheim / Probe-Wahl mit Überraschungen![]() Josephiner diskutieren mit Kandidaten für die Bundestagswahl (von links): Michael Huffer, Bernhard Brinkmann, Anselm Derda, Jens Niemann, Sabrina Jördens, Eckart von Klaeden, Brigitte Pothmer und Dr. Bernd Fell. Foto: Hartmann Hildesheim (jus). Am 27.September ist Bundestagswahl. Viele junge Wähler stehen dann zum ersten Mal an der Urne. Grund genug für den 13. Jahrgang des Josephinums, fünf der sieben Kandidaten für den Wahlkreis Hildesheim zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Von Politikverdrossenheit ist unter den Oberstufenschülern des Josephinums an diesem Mittag wenig zu spüren. Knapp 150 Schüler sitzen still auf ihren Stühlen im Pausenraum der Schule und lauschen aufmerksam den Äußerungen von Eckart von Klaeden (CDU), Bernhard Brinkmann (SPD), Brigitte Pothmer (Die Grünen), Dr. Bernd Fell (FDP) und Michael Huffer (Die Linke). „Die meisten von uns wählen zum ersten Mal und kennen die Kandidaten gar nicht", erklärt Schüler Anselm Derda. Das solle sich durch die Podiumsdiskussion ändern, ergänzt sein Mitschüler Jens Niemann. Die Gymnasiasten hatten mehrere Fragen zu den Bereichen Außen-, Energie- und Wirtschaftspolitik vorbereitet. In Zeiten der Wirtschaftskrise sorgte gerade Letzteres für Zündstoff - allen voran das Versprechen des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, bis zum Jahr 2020 Vollbeschäftigung zu erreichen. „Bei unserem Regierungsantritt gab es 5,4 Millionen Arbeitslose, jetzt im Sommer waren es noch 2,6 Millionen", stellt Bernhard Brinkmann fest. Dem widerspricht Michael Huffer: „Diese Zahlen sind doch geschönt - wir schätzen, dass es fünf Millionen Arbeitslose gibt", sagt der Kandidat der Linken. Heftig diskutiert wird auch die Frage, ob Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollten. „Atomkraftwerke liefern etwa 30 Prozent unserer Energie - die können wir durch erneuerbare Energien problemlos ersetzen", macht Brigitte Pothmer deutlich. Der CDU-Politiker Eckart von Klaeden kann dem nicht zustimmen: „Solche Versprechen sind unseriös, als Übergangslösung ist Kernenergie unverzichtbar." Pothmer kontert: Es gehe ja auch nicht um einen sofortigen Ausstieg, sondern um einen geordneten Rückzug. Zu guter Letzt darf das Thema „Wahlen" nicht fehlen. „Wie können Sie verhindern, dass Bürger ihre Stimme bei der Wahl verweigern?", wollen die Schüler wissen. „Wir müssen deutlich machen, dass Politik nicht nur von Berufspolitikern, sondern von jedem gemacht werden kann", antwortet Bernd Fell. Eine radikalere Idee liefert Michael Huffer: „Ich plädiere für ein Gesetz gegen Wählerbetrug: Wer vor der Wahl bewusst die Unwahrheit sagt, gehört nach der Wahl vor Gericht." Dafür erntet er lautes Gemurmel aus dem jungen Publikum. „Wie wollen Sie denn beweisen, dass jemand bewusst getäuscht hat?" ruft ein Schüler in den Raum. Eine konkrete Antwort darauf gibt Huffer nicht. Eineinhalb Stunden später scheint das Interesse an Politik tatsächlich bei einigen Schülern geweckt worden zu sein. „Ich kam mit der Erwartung, dass das hier langweilig wird - und wurde dann überrascht", sagt der 18-jährige Lukas Schrader. „So wird Politik endlich einmal greifbar." ![]() Lukas Schrader, 18 Jahre, Hildesheim: Mein Bild hat sich komplett geändert. Ich dachte, das hier wird langweilig. Interessant fand ich, dass die Kandidaten der CDU, SPD und Grünen, die bereits im Bundestag sitzen, wesentlich souveräner als die anderen wirken. Ich gehe jetztauf jeden Fall zur Wahl. ![]() Sabrina Jördens, 18 Jahre, Wesseln: Ich wusste schon vorher, was ich am 27. September wählen werde. Dennoch finde ich solche Veranstaltungen gut, da ich zwar regelmäßig Zeitung lese, aber die Politiker ja nicht persönlich kenne - außer natürlich die Kommunalpolitiker aus meinem Heimatort. Fotos: Degirmenci ![]() Nikolai Rex, 18 Jahre, Hildesheim: Ich finde es gut, dass es solch eine Veranstaltung gibt. Viele aus unserem Jahrgang sagen, dass sie nicht wissen, was sie wählen sollen. Da hilft es natürlich schon, die Kandidaten mal persönlich zu erleben. Ansonsten kommt man ja nicht so nah an Politiker heran. ![]() Sina Vietmeyer, 18 Jahre, Heersum: Ich fand die Podiumsdiskussion interessant. Vorher hätte ich eher dazu tendiert, die FDP zu wählen, jetzt haben mich die Argumente von Eckart von Klaeden von der CDU aber mehr überzeugt. Es macht schon etwas aus, wenn man die Politiker so hautnah erleben kann. ![]() Moritz Aschmoneit, 19 Jahre, Hildesheim: Meine Meinung ist durch die Diskussion bestätigt worden. Auf mich haben Bernhard Brinkmann und Eckart von Klaeden den souveränsten Eindruck gemacht. Die Politik braucht Denkanstöße von den kleineren Parteien, aber ich werde vermutlich die großen wählen. CDU liegt bei den Schülern vorn Hildesheim (jus). Der 13. Jahrgang des Josephinums hat bereits in einer Probeabstimmung gewählt - einmal vor und einmal nach der Podiumsdiskussion. Das Ergebnis überrascht: Beide Male landete die CDU ganz vorn. Vor der Gesprächsrunde stimmten nach Angaben der Schüler 43 Prozent der Schüler für die Partei, danach 41 Prozent. Die SPD konnte vor der Veranstaltung 14 Prozent, anschließend 16 Prozent der Stimmen verbuchen. Zugelegt haben auch die Grünen: von 21 auf 25 Prozent. Die FDP sank von 6 auf 5 Prozent der Stimmen. Größter Gewinner ist die Linke: Stimmten vor der Diskussion nur 2 Prozent der Schüler für die Partei, waren es im Anschluss 7 Prozent. Die sonstigen Parteien erhielten vorher 9, nachher 6 Prozent. Für den Wahlgang vor der Podiumsdiskussion gab es 125 gültige und sieben ungültige Stimmen, nach der Diskussion stimmten 142 Schüler ab. |

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