Es scheint, dass die Ausführung von JavaScript in Ihrem Browser deaktiviert ist oder verhindert wird (z.B. durch NoScript).
Bitte aktivieren Sie JavaScript um alle Funktionen der Website nutzen zu können!
slider00.jpg slider01.jpg slider02.jpg slider03.jpg slider07.jpg slider11.jpg slider14 jo-lauf 2.jpg slider14.jpg slider16.jpg slider18.jpg slider19.jpg slider20.jpg slider21.jpg slider22.jpg slider23.jpg slider24.jpg slider25.jpg slider26.jpg slider27.jpg slider28.jpg slider29.jpg slider30.jpg slider31.jpg

Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

Mittwoch, 05. März 2014 20:29

Geschichte des Josephinums

Kleine Schulgeschichte des Josephinums

Die Gründung 815

Am 1. Juli 815 fertigte Kaiser Ludwig der Fromme in Paderborn die Urkunde zur Gründung des Bistums Hildesheim aus. Mit der Bistumsgründung ging einher die Gründung des Doms und der Domschule. Damit folgte Kaiser Ludwig der Fromme dem Erlass „Constitutio de scholis per singular episcopia et monasteria instituendis“ seines Vaters Kaiser Karl des Großen aus dem Jahre 787.

Die Domschulen sollten der Ausbildung des Diözesanklerus und der höheren weltlichen Stände dienen.

Das heutige Bischöfliche Gymnasium Josephinum hat sich aus der alten Domschule entwickelt. Das Josephinum ist so gesehen die älteste, ununterbrochen bestehende Schule der Welt in kirchlicher Trägerschaft.

Die erste Blütezeit

900 - 1300

Bereits die ersten Hildesheimer Bischöfe, vor allem Altfried, Gerdag, Bernward und Hezilo, förderten ihre Schule nachdrücklich. Sie bewirkten das hohe Ansehen der Domschule weit über die Region hinaus.

Papst Innozenz III. schrieb über das Hildesheimer Domkapitel, es sei „an Bildung und Frömmigkeit vorbildlich“.

Kein Wunder, waren doch die meisten Domherren in der Domschule ausgebildet worden. Sie unterstützten ihre alte Schule.

Schulräume im heutigen Sinne gab es damals nicht. Der Unterricht fand im nördlichen Kreuzgang, für die größeren Schüler im oberen Stockwerk des östlichen Kreuzgangs, statt.

Über viele Jahrhunderte hinweg folgte die Domschule Josephinum dem karolingischen Lehrplan: In der Elementarschule lernten die Schüler Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang. Die besonders begabten Schüler traten danach mit etwa 10 Jahren in die Höhere Schule ein. In der Unterstufe wurden sie vor allem in die lateinische Sprache eingeführt. In der Oberstufe kamen dann Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik hinzu. Im Alter von 15 Jahren konnten sie ihre Ausbildung mit theologischen Studien oder mit dem Studium der allgemeinen Wissenschaften fortsetzen. Ab 1140 sind Absolventen der Domschule als Theologiestudenten in Paris nachweisbar.

Die Domschule war unter den Ottonen und auch noch unter den Saliern so etwas wie die zentrale Ausbildungsstätte des frühen deutschen Reiches: 30 Reichsbischöfe, darunter 10 Erzbischöfe gingen in diesen Jahren aus ihr hervor.

Zu ihnen gehörten u. a.:
Bedeutende Schüler,

Lehrer…

Folkmar von Utrecht, Kanzler Kaiser Ottos II. († 991)
Brun von Augsburg († 1028)
Meinwerk von Paderborn († 1036)
Pilgrim von Köln, Kanzler Kaiser Heinrichs II. († 1036)
Bruno von Verona († 1072)
Bernhard von Konstanz († 1085)
Albuin von Merseburg († 1097)
Dietrich, Kardinal in Rom († 1102)
Norbert von Magdeburg († 1134)
Adalbert von Mainz, Kanzler Kaiser Heinrichs V. († 1137)
Otto von Bamberg († 1139)
Bruno von Hildesheim († 1161)
Rainald von Dassel, Kanzler Kaiser Friedrich Barbarossas († 1167)
Gerhoch von Reichersberg († 1169)
Eskil von Lund († 1181)
Heinrich von Lübeck († 1182)
Konrad von Würzburg, Kanzler Kaiser Heinrichs VI. († 1202)
Berno von Hildesheim († 1194)
Hartbert von Hildesheim († 1216)
Albrecht von Magdeburg († 1232)

Einige dieser Bischöfe und Erzbischöfe waren vorher Domscholaster, also Schulleiter der Domschule gewesen.

… und Heilige

Auf dieser Liste fehlen noch die heilig- oder seliggesprochenen Domschüler:

Hl. Bischof Bernward von Hildesheim († 1022)
Hl. Kaiser Heinrich II. († 1024)
Hl. Bischof Benno von Meißen († 1106)
Sg. Bischof Benno von Osnabrück († 1088)
Sg. Bischof Bernhard von Hildesheim († 1153)

Bischof Bernward schuf mit der Michaliskirche, der Domtür und der Christussäule das Weltkulturerbe in Hildesheim. Bischof Bernhard ließ die St. Godehard-Kirche mit Kloster erbauen. Einige Jahre lang war er auch der Leiter der Domschule gewesen.

Kaiser Heinrich II. ist der bis heute einzige deutsche Politiker, der vom Papst heiliggesprochen wurde. Bischof Benno ist der Copatron Bayerns und der Stadt München. Sein Grab im Dom zu Meißen wurde in den Reformationswirren geschändet. Die sterblichen Überreste ruhen heute in der Münchener Frauenkirche. Bischof Benno von Osnabrück war vor seiner Bischofsweihe Leiter der Domschule in Hildesheim. Zuvor zeichnete er verantwortlich für den Bau der Kaiserpfalz in Goslar und des Doms in Speyer.

Jahre der Stagnation:

1300 - 1595

Über fast dreihundert Jahre hinweg stagnierte die Entwicklung der Domschule.

Es darf sogar gesagt werden, dass am Ende dieser Zeit die alte Domschule nur noch die begrenzte lokale Bedeutung einer Lateinschule hatte, obwohl sie 1543/44 immer noch von über 400 Schülern besucht wurde.

Aus diesen Jahren liegen nur sehr wenige Nachrichten aus der Schule vor. Lediglich aus den allgemeinen politischen und kirchlichen Entwicklungen in Hildesheim lassen sich Rückschlüsse ziehen auf den Zustand der Domschule.

Das politische Zentrum des deutschen Reiches hatte sich nach Süden hin verlagert. Der sächsische Adel, der seine Söhne an der Hildesheimer Domschule ausbilden ließ, wurde bedeutungslos und versank in internen Streitigkeiten. Vor allem die Braunschweiger Herzöge machten den Hildesheimer Fürstbischöfen ihr Territorium streitig.

Der Bischof und das Domkapitel waren über lange Zeit politisch und finanziell nahezu handlungsunfähig. Vor allem das Domkapitel stützte jedoch die Domschule. Bis in das 18. Jahrhundert begann die Einführung neuer Domherren am Türring des Eingangs zur Schule.

Bedeutsam war auch in Hildesheim der Aufstieg eines selbstbewussten städtischen Bürgertums. Dies verlangte nach mehr Laienbildung und weniger nach gehobener Klerikerbildung.

Im 13. Jahrhundert gründete die Stadt die Schule am Andreasstift als Alternative zur Domschule. Über die folgenden Jahrhunderte hinweg erwuchs daraus eine Konkurrenz zwischen dem Andreanum und dem Josephinum.

Nachdem 1542 die Stadt Hildesheim das lutherische Glaubensbekenntnis eingeführt hatte, verblieben nur noch ganz wenige Katholiken innerhalb der Stadtmauern und in den Stiftsdörfern. Ein öffentliches katholisches Glaubensleben war nicht mehr möglich, der Fortbestand des Bistums war gefährdet.

Der Niedergang des Katholizismus endete mit der Ernennung des bayerischen Herzogs Ernst II. zum Fürstbischof von Hildesheim im Jahre 1573. Er konnte dabei auf die Konsolidierungen seines Vorgängers, Bischof Burchard von Oberg, aufbauen. Die politisch mächtigen katholischen Wittelsbacher verhinderten in den folgenden gut zweihundert Jahren durch ihre Besetzung des Hildesheimer Bischofsstuhls die Tilgung des Bistums von der Landkarte. Sie holten auch mit Pater Johannes Hammer 1587 den ersten Jesuiten als Prediger an die Antoniuskapelle.

Das Jesuitengymnasium

Mariano-Josephinum:

1595 - 1773

Der Jesuitenpater Johannes Hammer war auch der erste Schulleiter des Gymnasiums Mariano-Josephinum der Gesellschaft Jesu. Am 3. April 1595 führte er 60 Schüler aus der alten Domschule in das neu gegründete Gymnasium Josephinum. Durch die Urkunden von Fürstbischof Ernst II. und Kaiser Rudolf II. war die Domschule den Jesuiten übereignet worden. Ein eigenes Schulgebäude für die Gymnasiasten bestand zunächst noch nicht. Die Domschule blieb als Elementarschule erhalten, das Gymnasium nahm seinen Lehrbetrieb im Dachgeschoss über der Antoniuskapelle auf.

Bereits nach drei Jahren unterrichteten drei Jesuiten drei Klassen. Sehr schnell sprach sich die wiedererwachte hohe Qualität der Bildung am Josephinum auch in protestantischen Kreisen in ganz Norddeutschland herum. Schon 1615 besuchten über 300 Schüler das Josephinum. Nach Beendigung des Gymnasiallehrgangs studierten viele von ihnen für das Lehramt oder für den Klerikerberuf am Josephinum weiter. Das Schulgebäude stand schon damals an der heutigen Stelle.

Am Josephinum wurde nach der „Ratio Studiorum Societatis Jesu“ von 1599 unterrichtet. Nach der Elementarschule traten die Schüler in den fünfjährigen gymnasialen Lehrgang ein. Mit einem Wochenpensum von 24 - 28 Unterrichtsstunden wurden die Fächer Deutsch, Latein, Griechisch, Mathematik, Geographie, Geschichte und Religion erteilt. Das darauf aufbauende Studium umfasste zwei Jahre Philosophie und drei Jahre Theologie.

1634 besetzten Braunschweiger Truppen Hildesheim. Die Jesuiten mussten die Stadt und das Josephinum verlassen. Als sie 1643 zurückkehrten, waren die Schulgebäude weitgehend verwüstet.

Noch während der Aufräumarbeiten begannen sie wieder mit dem Unterricht und dem Rückkauf der gestohlenen Bibliothek, die noch heute besteht. Bis 1730 wurde innerhalb von 20 Jahren das Schulgebäude systematisch erweitert. Seit 1695 steht das beeindruckende Barockportal, das als einziger Gebäudeteil die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat.

„Mariano-Josephinum“

Die heute noch zu lesende Widmungsinschrift über der Eingangstür nennt erstmals öffentlich den Namen des alten Gymnasiums: „Mariano-Josephinum“. Die Namensgebung „Maria-num“ stand in enger Verbindung zu der im Jesuitenorden gepflegten Marienverehrung. Das Hinzufügen eines weiteren Patrons erfolgte im Zusammenhang mit der 1676 vorgenommenen Erhebung des Hl. Joseph zum Hildesheimer Bistumsheiligen.

Zu dieser Zeit lebten im Jesuitenkolleg rund 30 Patres, Magister und Brüder. Hinzu kamen zeitweise bis zu 20 Missionare, die von Hildesheim aus Katholiken in Nordeuropa betreuten. Der Herkunftsbereich der gut 450 Schüler des Gymnasiums Josephinum überschritt deshalb weit die Grenzen des Bistums. Die hohe Attraktivität des Josephinums speiste sich aus der finanziellen Absicherung ärmerer Schüler, der gehobenen humanistischen Bildung mit Aussicht auf einen akademischen Abschluss an der angegliederten philosophisch-theologischen Hochschule sowie aus der regen Schulkultur, die sich nicht nur auf religiöse Übungen beschränkte, sondern auch jährlich stattfindende öffentliche Theateraufführungen umfasste und die guten Schüler mit Prämien bedachte und motivierte.

Friedrich von Spee

Im Jahre 1629 wurde der Jesuitenpater Friedrich von Spee, der bedeutende Barockdichter und später weltberühmte Kämpfer gegen den Hexenwahn, im Josephinum wieder gesund gepflegt. Als Missionar in Peine war er nur knapp einem Mordanschlag entkommen.

1772 wurde unter dem Schulgebäude eine Grablege für die verstorbenen Lehrer eingerichtet, die noch heute als „Totenkeller“ zu besichtigen ist.

Bedeutende Schüler

und Lehrer:

Hermann Busenbaum SJ, Rektor 1645-1647, bedeutender Moraltheologe
Conrad Berthold Behrens (1660-1736), Schüler aus Hildesheim, Leibarzt von Leibniz
Theobald Isensee SJ (1671-1733), Schüler aus Ruthe, führte 1693/94 im Auftrag seines Ordens die philosophische Korrespondenz mit Leibniz
Theodor Crispen SJ, Musikdirektor am Josephinum 1689-1722, Domkapellmeister, Komponist
Bartholomäus des Bosses SJ, Lehrer 1706-1709, Gesprächspartner von Gottfried Wilhelm Leibniz und Übersetzer seiner „Théodicée“ ins Lateinische
Heinrich Ruhen SJ (1718-1751), Schüler aus Borsum, starb als Märtyrer in Mexiko.
Joseph Anton Cramer SJ, Rektor 1771-1794, Verfasser der „Physischen Briefe über Hildesheim und Umgebung“

Das Bischöfliche

Gymnasium Josephinum

1773-1942

Nachdem Papst Clemens XIV. ihren Orden aufgehoben hatte, verloren die Jesuiten auch ihre Schule. Von 1773 an hieß das Josephinum „Fürstbischöfliches“, ab 1803 „Bischöfliches Gymnasium“. Das hohe Ansehen der Jesuiten und ihrer Schule bewirkte einen harmonischen Übergang in der Trägerschaft. Viele ehemalige Jesuiten durften weiter am Josephinum tätig sein.

Die 170 Jahre bis zur Enteignung der Schule durch die Nationalsozialisten waren Jahre der äußeren Bedrängnis des Josephinums, aber auch Jahre der inneren Reformen. Der gute Ruf der Schulbildung am Josephinum ließ die Anzahl der Schüler in dieser Zeit kontinuierlich von unter 100 auf über 500 ansteigen. Darunter befanden sich fast der gesamte spätere Diözesanklerus sowie die Hildesheimer Bischöfe von Godehard Joseph Osthaus (1829-1835) bis Joseph Godehard Machens (1934-1956). Die Schüler kamen aus ganz Norddeutschland, manche auch aus Übersee zum Josephinum.

Zwischen 1803 und 1813 unternahmen nacheinander die Stadt Hildesheim, die Preußische Regierung, die Hannoversche Regierung und das napoleonische Königreich Westfalen Versuche, das Josephinum zu enteignen und mit dem städtischen Andreanum zu verschmelzen. Allein dem mutigen Einsatz des Schulleiters Franz Xaver Lüsken ist die Eigenständigkeit des Josephinums zu verdanken.

Schulreform

Gleich nachdem das Königreich Hannover eine Schulreform verordnet hatte, aufgrund derer auch das Josephinum unter die staatliche Schulaufsicht kam, fand 1830 eine der ersten Abiturprüfungen in Niedersachen am Josephinum statt. Das Gymnasium umfasste 8 Schuljahre, in denen zwischen 22 und 33 Wochenstunden unterrichtet wurden. Am Josephinum wurden die meisten Stunden in Latein, Griechisch, Mathematik und Deutsch erteilt. Zu den Vorschriften der Schulreform gehörten die Einführung von Schulgeld (1832), die Abtrennung des Priesterseminars vom Josephinum (1834), die Anstellung weltlicher Lehrer (ab 1835) und das Verbot der blauen Mäntel, die die Josephiner seit der Jesuitenzeit trugen. Ab 1847 führte das Josephinum erstmals auch Realklassen, in denen die Schüler keine rein humanistische Bildung mehr genossen. Von 1887 an wurden am Josephinum wieder 9 Schuljahre bis zum Abitur unterrichtet.

In der Zeit des Kulturkampfes schränkte die Regierung das religiöse Leben am Josephinum ein. An höchstens zwei Tagen in der Woche durften Schulgottesdienste abgehalten werden, die Teilnahme der Schule an Fronleichnamsprozessionen wurde ebenso verboten wie das Gedenken an die Jesuitenheiligen und die Marianische Kongregation der Schüler.

Vereinsgründungen

Lange bevor es üblich wurde, an Gymnasien Arbeitsgemeinschaften für Schüler einzurichten, gründeten sich am Josephinum die noch heute bestehenden Schülervereine: Der Turnverein Saxonia (1833), der Leseverein Teutonia (1876) und der Musikverein Hercynia (1902), seit 1919 wirkten mit der Gruppe „Neudeutschland“ und seit 1920 mit der „Marianischen Kongregation“ wieder zwei religiöse Schülergruppen an der Schule. Im Jahre 1908 gründeten Abiturienten des Josephinums den bis auf den heutigen Tag aktiven Verein ehemaliger Josephiner.

1859 wurde das Bischöfliche Konvikt zur Unterbringung externer Schüler eröffnet. Es trat die Nachfolge des „Johanneshauses“ an, das von 1652 bis 1831 bestand.

Leunis-Museum

Unter dem Direktorat von Konrad Ernst (1911-1929) entstand im Kapitelhaus, das dem Josephinum zur Nutzung überlassen worden war, das Leunismuseum mit seinen bedeutenden Sammlungen. Dazu zählten die über 1100 Wiegendrucke, die naturkundliche Sammlung aus dem Nachlass von Johannes Leunis mit mehr als 25.000 Exponaten an Steinen, Schnecken und Muschelgehäusen, Pflanzen, Insekten und überseeischen Kuriositäten sowie die Münzsammlung mit 5000 Exponaten von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Der Großteil der Wiegendrucke und etwa die Hälfte der naturkundlichen Sammlung überstanden die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Die Leunis-Sammlung wird weiterhin in der Schule aufbewahrt.

Die Jahre des

Nationalsozialismus

Den Nationalsozialisten war das eigenständige Bischöfliche Gymnasium Josephinum ein Dorn im Auge. Trotz heftiger Proteste seiner ehemaligen Schüler, des Hildesheimer Bischofs Joseph Godehard Machens und des Breslauer Kardinals Adolf Bertram,   degradierten sie zum 1. April 1937 das Josephinum zu einer achtjährigen „Stiftischen Oberschule für Jungen“. Die Stundentafel zählte 31-36 Unterrichtsstunden, von denen auf jeder Klassenstufe 5 Stunden Sport erteilt wurden.

Zwar blieb das Josephinum noch eine Schule des Bischofs von Hildesheim, aber die Machthaber hatten die nächsten Schritte bereits geplant. Am 1. September 1942 wurde das Josephinum offiziell zur „Städtischen Oberschule für Jungen“ erklärt. Ab jetzt war die Stadt und nicht mehr der Bischof von Hildesheim der Schulträger des Josephinums. Gemäß dem Enteignungsvertrag, den das Bistum am 10.11.1942 auf Druck unterschreiben musste, waren dem Bischof auf 25 Jahre hin die Schulgebäude und die Mitsprache im Josephinum genommen worden bei gleichzeitiger Anlastung von einem Viertel der Kosten zur Gebäudeunterhaltung. Mitte Juni 1943 erfolgte die Übergabe an die Stadt.

Zum 1. Juli 1943 wurde mit Joseph Clausing der letzte geistliche Schulleiter des Josephinums nach 1128 Jahren zwangsweise in die Pension entlassen. Mit ihm verließen drei weitere geistliche Studienräte die Schule, andere Lehrer wurden versetzt. Sie alle wurden durch Lehrer ersetzt, die der NSDAP verbunden waren. Im September 1943 wurde der aktive Nationalsozialist Otto Alms Schulleiter des Josephinums.

Kriegsfolgen

 


geschichte 4

Zwar blieben auch weiterhin die Kreuze in den Klassenräumen des Josephinums hängen und auch der Religionsunterricht wurde noch erteilt, aber ansonsten veränderte sich der Schulalltag einschneidend. Mit fortschreitendem Krieg wurden immer mehr Lehrer und Schüler des Josephinums als Soldaten und Flackhelfer eingezogen. 396 von ihnen kamen im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Im Keller des Josephinums wurde ein öffentlicher Luftschutzkeller eingerichtet, die Aula diente zeitweise als behelfsmäßiges Lazarett, und der Unterricht fand nur noch an zwei Wochentagen statt.

Am 22. März 1945 wurden die Gebäude des Josephinums bei dem großen Bombenangriff auf Hildesheim zerstört. Allein das Barockportal blieb weitgehend unversehrt stehen.

Bedeutende Schüler und

Lehrer:

bischof sommerwerck

Bischof Wilhelm Sommerwerck

kardinal bertram

Kardinal Bertram

Franz Xaver Lüsken SJ (1750-1841) Schulleiter des Josephinums von 1794 bis 1824, weltweit letzter Jesuit aus der Zeit vor der Auflösung des Ordens 1773.
Godehard Joseph Osthaus (1768-1835) Schüler des Josephinums, 1829-1835 Bischof von Hildesheim
Franz Ferdinand Fritz (1772-1840), Schüler des Josephinums, 1836-1840 Bischof von Hildesheim
Jacob Joseph Wandt (1780-1849), Schüler und Lehrer am Josephinum, 1824 bis 1832 Direktor, 1841-1849 Bischof von Hildesheim
Joseph Hillebrandt (1788-1871), Nachfolger Hegels an der Universität Heidelberg, Abgeordneter und Präsident der hessischen Landeskammer.
Eduard Jakob Wedekin (1796-1870), Schüler und Lehrer am Josephinum, 1849-1870 Bischof von Hildesheim
Johannes Leunis (1802-1873), Schüler und Lehrer am Josephinum, Naturforscher.
Joseph Godehard Müller (1816-1883), Schüler des Josephinums, 1866-1877 Schulleiter des Josephinums, Dichter und Übersetzer antiker Tragödien, befreundet mit den Nazarener-Malern in Rom, Mitglied im königl. Konsistorium in Hannover, Domkapitular und Generalvikar.
Peter Johann Beck SJ 1819-1826 Lehrer am Josephinum, später General der Jesuiten.
Klemens Schrader SJ (1820-1875) Schüler des Josephinums, Theologieprofessor u. a. am Germanicum in Rom und Mitarbeiter am Unfehlbarkeitsdogma.
Wilhelm Sommerwerck (1821-1905), Schüler und Lehrer am Josephinum, 1871-1905 Bischof von Hildesheim.
Winand Nick (1831-1910), 1865-1898 Musiklehrer am Josephinum, Dommusikdirektor, Komponist.
Moritz Güdemann (1835-1918), 1853 Abitur am Josephinum, bedeutender jüdischer Theologe, Oberrabbiner von Wien.
Georg Kopp (1837-1914), 1856 Abitur am Josephinum, 1881 Bischof von Fulda, 1887-1914 Kardinal Fürstbischof von Breslau und Vorsitzender der Bischofskonferenz.
Heinrich Düker (1838-1904), Schüler des Josephinums und Lehrer von 1867 bis 1903. Bekannt durch sein Lehrbuch „Zifferrechnung“ und seine Untersuchung „Der liber mathematicalis des hl. Bernward“ (1874)
Wilhelm Pelizaeus (1851-1930), Schüler des Josephinums, Kaufmann in Ägypten, Museumsgründer
Christian Coors (1858-1922), Schüler des Josephinums und Lehrer von 1888 bis 1915, plattdeutscher Schriftsteller.
Adolf Bertram (1859-1945), Schüler des Josephinums, 1906-1914 Bischof von Hildesheim, 1914-1945 Kardinal Fürstbischof von Breslau und Vorsitzender der Bischofskonferenz.
Joseph Ernst (1863-1928) , Schüler des Josephinums, 1914-1928 Bischof von Hildesheim
Konrad Ernst (1866-1934), Schüler des Josephinums, Schulleiter von 1911-1929. Bedeutender Inkunabelenforscher, Verfasser von Schulbüchern für den Geschichtsunterricht und mehrerer lokalgeschichtlicher Studien.
Wilhelm Maxen (1867-1946), Schüler des Josephinums, von 1895 bis 1946 Geistlicher in Hannover, Initiator einer modernen und sozialen Großstadtseelsorge, Landtags- und Reichstagsabgeordneter.
Konrad Algermissen (1889-1964), Schüler des Josephinums, vielgelesener theologischer Autor, Domkapitular und Dozent am Priesterseminar.
Joseph Godehard Machens, (1886-1956) Schüler des Josephinums, 1934-1956 Bischof von Hildesheim
Heinrich Krone (1895-1989), Schüler des Josephinums, Fraktionsvorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion und Bundesminister im Kabinett Adenauer.
Hugo Lassalle SJ (1897-1990), bis 1911 Schüler des Josephinums, Meister des Zen-Buddhismus
Alois Scherf (1897-1965), 1952-1965 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, ab 1955 Vorsitzender der CDU-Fraktion
Heinrich Nordhoff (1899-1968), Schüler des Josephinums, Generaldirektor von VW 1948 bis 1968
Godehard Wunibald Talleur (1901-1975), Schüler des Josephinums, Franziskaner, Bischof von Rondonópolis in Brasilien
Rudolf Platte (1904-1982), bis 1920 Schüler des Josephinums, Schauspieler
Paul Feindt (1905-1983), Schüler des Josephinums und Lehrer von 1938 bis 1970. Hildesheimer Ornithologe, nach dem die Paul-Feindt-Stiftung benannt ist.

Gymnasium Josephinum

1942-1989

Gleich nach Kriegsende kehrten die in Hildesheim verbliebenen Lehrer und Schüler an ihre alte Schule zurück und leisteten den Sommer über Aufräumarbeiten. Am 15.10.1945 begann wieder der Unterricht für die 207 Schüler der unteren Klassen, am 1. Dezember folgten die oberen Klassen mit 201 Schülern. Da die notdürftig hergerichteten Räumlichkeiten in der Ruine des Josephinums nicht für den Unterricht im Winter geeignet waren, wurden die 14 Klassen auf drei halbwegs intakte Räume im Stadtgebiet verteilt und schichtweise mit 15 Stunden pro Woche unterrichtet.

Die sofort nach dem Kriegsende einsetzenden Bestrebungen auf Rückgabe des Josephinums an den Bischof blieben erfolglos, weil die Stadt sich nicht zuständig fühlte und der Bischof eine vollständige Wiederherstellung verlangte. Über gut zwei Jahrzehnte hinweg blieb das Josephinum ein reguläres städtisches Gymnasium.

Zwischen 1946 und 1949 wurden Räume im Kapitelhaus und im Domhofflügel mit den Spendengeldern ehemaliger Schüler vorläufig hergerichtet. Der Unterricht konnte wieder vollständig erteilt werden. Erst 1967 war der Schulraum für die mittlerweile 1000 Schüler am alten Ort wieder hergestellt.

Niedersachsenkonkordat

 

 

 

Das Unrecht der Enteignung durch die Nationalsozialisten war zu diesem Zeitpunkt bereits getilgt worden durch das Konkordat vom 26.02.1965. Das Land Niedersachsen und der Heilige Stuhl vereinbarten die in Deutschland einmalige Verfassung des Josephinums als einer öffentlichen Schule in kirchlicher Trägerschaft. Zwar blieb das Josephinum ein städtisches Gymnasium, aber dem Bischof von Hildesheim wurden alle Rechte und Pflichten eines Schulträgers zuerkannt.

Schulreform

Das 1974 geänderte Niedersächsische Schulgesetz bewirkte einschneidende Veränderungen am Josephinum. Es wurde ein Realschulzweig und darin koedukative Klassen eingerichtet. Im Schuljahr 1979/80 erreichte das Josephinum mit fast 1500 Schülerinnen und Schülern seinen bisherigen Höchststand in der Schülerschaft. 1980 gingen die Eingangsklassen an die neue Orientierungsstufe und ein Jahr später der Realschulzweig an die Hauptschule St. Augustinus verloren. In kurzer Zeit fiel so der Schülerbestand auf 650. Das Kultusministerium gestand dem Josephinum zwar zu, sich auch weiterhin als „christliche Schule“ bezeichnen zu dürfen, um die spezifische traditionelle Bindung hervorzuheben, lehnte aber einen darüber hinaus gehenden Sonderstatus gegenüber anderen öffentlichen Schulen ab. Diese und weitere Veränderungen in der Schulverfassung durch die Gesetzgebung des Landes begriff Josef Homeyer, der 1983 zum Bischof von Hildesheim geweiht wurde, als Eingriff in seine garantierten Rechte.

Bischöfliches

Gymnasium Josephinum

seit 1989

 

slider00

 

 

 

Bischof Homeyer strengte Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen an, die am 8. Mai 1989 zu einer Novellierung des Konkordats von 1965 führten. Seit dem 01.08.1989 lautet der Status des Josephinums: “Bischöfliches Gymnasium Josephinum - staatlich anerkanntes Gymnasium des Bistums Hildesheim“. Damit war der bis 1942 geltende Rechtsstatus des Josephinums wiederhergestellt.

Bischof Machens musste der Enteignung des Josephinums machtlos zusehen, verstand sich aber auch nach dem Krieg als Patron seiner alten Schule. Unter Bischof Heinrich Maria Jansen gelangte das Josephinum wieder unter bischöfliche Trägerschaft. Bischof Homeyer erreichte schließlich die Wiederherstellung der vollen Souveränität des Bischofs von Hildesheim in allen das Josephinum betreffenden Angelegenheiten. Damit erfüllten sich die Worte Bischof Jansens, die er 1965 nach Unterzeichnung des Konkordats sprach: „Man hatte an mich in den vergangenen Jahren wiederholt das Ansinnen gestellt, die Rechte des Bischöflichen Stuhles auf das Josephinum abzutreten. Ich glaubte, das vor der Geschichte nicht verantworten zu können. Das Josephinum ist eine mehr als 1000 Jahre alte Schule, die im Wandel der Jahrhunderte zwar verschiedene Schulformen angenommen, immer aber in gleicher Verbundenheit mit dem Bischof vereint gewesen ist… Weder die Reformation noch die Säkularisation haben die Schule vom Bischof getrennt.“