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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

Samstag, 28. Dezember 2019 10:34

HAZ vom 28.12.2019: „Mir fehlen die Schüler“

Haunhorst Dombibliothek  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benno Haunhorst im Lesesaal der
Dombibliothek. Hier recherchiert er seit Monaten für einen Aufsatz über
Alfred Delp.

Foto: Christian Harborth

VON CHRISTIAN HARBORTH

Vor ein paar Tagen wachte Benno Haunhorst morgens auf und fragte sich, ob er an diesem Tag die Gesamtkonferenz des Josephinums zu leiten habe. Das war natürlich Unsinn. Der 66-Jährige ist vor einem halben Jahr in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Schule läuft seit diesem Tag ohne ihn. Aber wer Jahrzehnte unterrichtet hat und 14 Jahre an der Spitze des Bischöflichen Gymnasiums stand, der kann von manchen Gewohnheiten nur schwerlich lassen. „In manchen Dingen bin ich halt immer noch im Rhythmus der Schule“, sagt Haunhorst.
Der ehemalige Schulleiter sitzt im Lesesaal der Dombibliothek und unterbricht seine Arbeit für einige Minuten. Haunhorst schreibt an einem Aufsatz über den Jesuitenpater Alfred Delp. Dieser hatte im Kreisauer Kreis gegen die Nazis gearbeitet. Die rächten sich, indem sie den Widerstandskämpfer 1945 in Plötzensee hinrichteten. Haunhorst recherchiert, was bis dahin geschah. Immer dienstags und mittwochs trägt er die Informationen in der Bibliothek zusammen. An den anderen Tagen arbeitet er zuhause in seinem Arbeitszimmer.
Wenn man ihn so im Lesesaal sitzen sieht, könnte man meinen, er sei nur kurz aus seinem damaligen Büro im Josephinum herübergekommen. Sogar für die Recherche trägt er ein Sakko und die Krawatte zum Hemd akkurat gebunden. Wie damals. Jene Krawatte, die er früher nur als Zeichen lockerte, dass es am Josephinum hitzefrei gibt. Ach ja, das Josephinum! Neulich traf er eine junge Schülerin an der Kasse eines Supermarkts. „Es ist schon komisch, wenn man nach 60 Jahren nicht mehr an einer Schule ist“, sagte er zu dem Mädchen. Ob sie die Tiefe dieser Aussage verstand? Das weiß Haunhorst auch nicht. „Aber mir fehlen die Schüler“, sagt er. Der Wissensdurst, die Tatkraft, die Jugend, die sich ihre eigenen Wege bahne.
Dabei ist der 66-Jährige zufrieden mit dem, was nach seiner Verabschiedung kam. Die Arbeit an wissenschaftlichen Themen wie im Fall des Delp-Aufsatzes befriedigt den Hunger nach intellektuellen Themen. Aber da ist jetzt noch viel mehr. „Ich bin letztens zum ersten Mal mit meiner Frau auf den Brocken gestiegen“, erzählt er. Sie waren auch in Südtirol unterwegs. Und dann ist da noch die Arbeit im Garten, in die er sich regelmäßig stürze. „Neulich habe ich mir die Frage gestellt, ob wir uns nicht zwei Enten zulegen sollten“, sagt er. Aus ästhetischen Gründen, nicht um die Tiere zu essen. „Aber ich habe mich dagegen entschieden.“
Die Alfred-Delp-Gesellschaft hat Haunhorst darum gebeten, 25 Seiten zu ihrem Namensgeber zu schreiben. 100 hat er jetzt zusammen. „Am Ende werde ich es komprimieren“, sagt der 66-Jährige. Und danach? Will sich Haunhorst mit Moritz Güdemann, einem in Hildesheim geborenen Vordenker der Juden Europas beschäftigen. Einen groben „Fahrplan“ hat Haunhorst schon im Kopf. Aber leider noch keine Zeit.

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